ZAHLUNGSMORALBAROMETER 2017: DIE LIQUIDITÄT MIT KLUGEM FORDERUNGSMANAGEMENT SCHÜTZEN

 

Fast jedes dritte Schweizer Unternehmen rechnet laut Atradius mit einer Verschlechterung der Zahlungsmoral ihrer Firmenkunden.

Schweizer Unternehmen sind in Westeuropa am häufigsten von Zahlungsverzug betroffen. Zu diesem Schluss kommt das jüngste Zahlungsmoralbarometer des Kreditversicherers Atradius.

So meldeten 95.4 % der Befragten für das vergangene Jahr einen Rechnungsausgleich nach Fälligkeitstermin von einem oder mehreren in- oder ausländischen Kunden. Dies ist weit über dem regionalen Durchschnitt von 87.8 %. Der Durchschnitt des Gesamtwertes der Forderungen, die erst nach Ablauf der Zahlungsfirst beglichen wurden, stieg auf 46 %. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 43 %.

Als häufigster Grund für Zahlungsverzögerungen gaben mehr als die Hälfte der Befragten Liquiditätsprobleme beim Abnehmer an. Am zweithäufigsten, mit 21.3 %, wurde die Verwendung ausstehender Rechnungsbeträge zu Finanzierungszwecken genannt, gefolgt von den Umständlichkeiten des Zahlungsverfahrens (20.7 %).

 

Offene Rechnungen immer häufiger als Finanzierungsinstrument genutzt

Andreas Tesch, Chief Market Officer von Atradius Deutschland, kommentiert: „Da der Zugang zu traditionellen Finanzierungen insgesamt schwieriger geworden ist, nutzen Abnehmer häufiger offene Rechnungen bei ihren Lieferanten und Dienstleistern als alternatives Finanzierungsmittel. Mit steigendem Druck auf Marge und Liquidität ist die restriktivere Gewährung von Zahlungszielen oft die einzige Möglichkeit für Lieferanten und Dienstleister, um ihre eigene Finanzlage stabil zu halten. Zu empfehlen ist dieses Vorgehen, wenn sich die Abnehmerbonität verschlechtert. Sollte dies aber nicht der Fall sein, gibt es effektivere Wege, um das eigene Kreditrisiko zu optimieren und neue profitable Geschäftsmöglichkeiten zu verwirklichen.“

 

Erhöhte Vorkehrungen zum Schutz der Liquidität

Auch der Ausblick auf das kommende Jahr ist alles andere als rosig: Fast ein Drittel der befragten Unternehmen erwartet eine Verschlechterung der Zahlungsmoral ihrer Firmenkunden in den nächsten zwölf Monaten, nur 12 % rechnen mit einer Verbesserung.

Als Folge der verspäteten Zahlungen meldeten 17.6 % der Befragten einen Einkommensverlust und 25.1 % gaben an, dass sie spezifische Massnahmen vornehmen mussten, um den Cash Flow zu korrigieren.

Unsicherheitsfaktoren wie ein möglicher US-Protektionismus, den Brexit sowie die Abschwächung der asiatischen Konjunktur, veranlassen Schweizer Unternehmen Vorkehrungen zum Schutz ihrer Liquidität zu treffen.

 

  • Im Angesicht dieser Risiken intensivieren 20.3 % der befragten Unternehmen schon heute ihr Kreditmanagement, um den Schutz ihrer Forderungen zu erhöhen (Durchschnitt Westeuropa: 18 %).
  • Zum Schutz vor den Folgen eines möglichen US-Protektionismus gaben 31.8 % an, vermehrt bei ihren Kunden die Bonität zu kontrollieren und 22.6 % wollen das Kreditrisiko der Kunden beobachten.
  • Im Zusammenhang mit dem Brexit wurden vorwiegend folgende Schutzmassnahmen genannt: Überprüfung der Bonität (30.4 %), Beobachtung des Kreditrisikos (21.1 %) sowie Erhöhung des Delkredere (21 %).
  • Obwohl die Konjunkturabkühlung in Asien nicht so viele zu Schutzmassnahmen verleitet, gaben immerhin 25.7 % an, die Bonität der Abnehmer intensiver zu prüfen und 22.6 % wollen das Kreditrisiko im Blick behalten.

 

Factoring als Konterpart zu schlechter Zahlungsmoral

Bei der Inanspruchnahme von Factoring sowohl für in- wie auch ausländischen Geschäften, profitieren die Unternehmen von verschiedenen Funktionen:

 

  1. 100 % Schutz vor Forderungsausfällen.
  2. Innert 24 Stunden werden bis zu 90 % des Gegenwertes offener Forderungen in Liquidität umgewandelt.
  3. Übernahme des Forderungs- und Debitorenmangements durch den Factor. Dazu gehört auch eine kontinuierliche Bonitätskontrolle der Abnehmer, um Risiken frühzeitig erkennen und minimieren zu können.

 

Das Zahlungsmoralbarometer von Atradius

Atradius erhebt mit seinem Zahlungsmoralbarometer für Westeuropa jedes Jahr Informationen über das Zahlungsverhalten im Firmengeschäft. Für die aktuelle Ausgabe des Zahlungsmoralbarometers hat der Kreditversicherer Atradius 2.800 Unternehmen in 13 Ländern in Westeuropa zu den Zahlungserfahrungen mit ihren Kunden befragt. Genauer betrachtet wurden dabei Trends bei der Durchführung des Forderungsmanagements, wahrgenommene Schwierigkeiten in puncto Rentabilität, die Forderungslaufzeit und nicht zuletzt die Zahlungsmoral, unterteilt nach Branchen und Unternehmensgrössen.

 

Bildquelle: Fotolia/DDRockstar