DIE WICHTIGSTEN FACTORING VARIANTEN IM ÜBERBLICK

 

Der Begriff Factoring stammt von dem lateinischen Wort „factura“ für Rechnung. Beim Factoring werden Forderungen eines Unternehmens gegen seine Debitoren vor Fälligkeit an ein Kredit- oder Spezialinstitut (Factor) übertragen. Der Factor zahlt dem Unternehmen umgehend den Rechnungsbetrag aus und fordert im Gegenzug die Zahlung vom Debitor ein.
Seit der Jahrtausendwende gewann Factoring in der Schweiz immer grössere Bekanntheit und Akzeptanz. Das über Factoring abgewickelte Volumen wuchs über die Jahre auf über 3.8 Milliarden Schweizer Franken an.

Mittlerweile existieren zahlreiche Factoring Varianten. Die untenstehende Auflistung ist nicht vollständig, soll aber einen Überblick über die verbreitetsten Formen von Factoring liefern.

 

Full-Service-Factoring

Full-Service-Factoring ist die umfassendste Factoring Variante. Sie beinhaltet nebst der Finanzierung der Debitorenforderungen ebenso einen Ausfallschutz für die finanzierten Forderungen. Zudem wird das gesamte Debitorenmanagement zum Factor ausgelagert. Dies bringt dem Unternehmen zusätzliche Entlastung im administrativen Bereich.

 

Intercredit Factoring

Soll Factoring hauptsächlich zur Finanzierung von Unternehmenswachstum eingesetzt werden, so ist Intercredit Factoring eine geeignete Variante. Bei dieser Form von Factoring werden die Debitorenforderungen wie gewohnt vorfinanziert und versichert. Dem Unternehmen steht zusätzliche Liquidität zur Verfügung. Jedoch verbleibt das Debitorenmanagement beim Unternehmen. Dies macht insbesondere Sinn, wenn die Debitorenbuchhaltung bereits effizient geführt wird oder andere organisatorische Gründe gegen eine Auslagerung sprechen.

 

Echtes vs. unechtes Factoring

Wird das Risiko eines Debitorenausfalles, wie bis anhin angenommen, vom Factor getragen, spricht man von echtem Factoring. Dagegen wird eine Factoring Lösung ohne Ausfallschutz als unechtes Factoring bezeichnet. Im deutschsprachigen Raum findet unechtes Factoring selten Anwendung.

 

Ausschnitts-Factoring

Entscheidet sich ein Unternehmen für Factoring werden üblicherweise im Rahmen des Factoringvertrags die Forderungen aus Lieferung / Leistung von allen Debitoren an den Factor abgetreten. Beim Ausschnitts-Factoring werden im Vorfeld bestimmte Debitoren aus der Zusammenarbeit ausgeschlossen. Die häufigsten Gründe für den Ausschluss von Debitoren sind Gegenforderungen an das Unternehmen, eine sehr gute Zahlungsmoral des Debitors, Geschäfte mit Privatkunden oder ausländischen Debitoren aus nicht OECD-Staaten für welche keinen Ausfallschutz angeboten werden kann.

 

Stilles vs. offenes Factoring

Beim offenen Factoring wird der Debitor über die Abtretung der Forderung an den Factor informiert. Auf jeder Rechnung des Unternehmens steht eine Notifikation, welche den Debitor über die geänderten Zahlungsangaben und Rechtsverhältnisse informiert. Die Begleichung der Forderung kann mit schuldbefreiender Wirkung nur an den Factor bezahlt werden. Für den Kundendienst und allfällige Reklamationen am Produkt oder der Leistung ist weiterhin das Unternehmen direkt zuständig.

Bei stillem Factoring werden die Debitoren nicht über die Abtretung und den Verkauf der Forderungen informiert. Der Factor bleibt für sie unsichtbar. Aus Risikoüberlegungen wird stilles Factoring nur selten angeboten. Für den Factor gibt es keine Möglichkeit die angekauften Forderungen zu verifizieren, was vom Factor ein intensiveres Risikomanagement und das Eingehen höherer Verlustrisiken erfordert.

 

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